Was bedeutet das?

Bei einem Unfall in einem grenznahen Kernkraftwerk können radioaktive Stoffe in die Umwelt freigesetzt und mit den Luftmassen über weite Strecken transportiert werden. Das kann passieren, muss es aber nicht. Bei günstigen Wetterbedingungen kann es sein, dass keine oder kaum Maßnahmen getroffen werden müssen.

Ob und wie sehr Österreich betroffen ist, hängt von der Menge der freigesetzten Stoffe, der Entfernung zum KKW und dem Wetter ab. Selbst bei hoher Betroffenheit Österreichs gibt es eine Vorwarnzeit von einigen Stunden bis mehrere Tage, bis radioaktive Luftmassen eintreffen. Je nach Umfang eines solchen Unfalls können unterschiedliche Maßnahmen seitens der Behörden veranlasst werden.

➡️ Wichtige Informationen zum Thema Kernkraftwerksunfall finden Sie auf der Website der Strahlenschutzbehörde .

➡️ Im Notfall immer zuerst über notfallschutz.gv.at über die Lage und die behördlichen Schutzmaßnahmen informieren. Niemals Maßnahmen ohne Anweisungen der Behörden durchführen!

➡️ Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Behörde: strahlenschutz.gv.at

Wie werde ich informiert?

➡️ Informieren Sie sich im Notfall immer über die Website der Behörde: notfallschutz.gv.at

In einem Notfall wird die österreichische Bevölkerung durch Behörden, Medien (ORF) und Warn- und Alarmsysteme (Sirenen, AT-Alert) gewarnt. Ausschließlich offizielle Informationskanäle nutzen, da Falschinformationen im schlimmsten Fall durch Fehlverhalten zu gesundheitlichen Schäden führen können.

Europaweit existiert ein engmaschiges Netz an Messstationen. Sollte es an einem Ort zu einem Austritt von radioaktivem Material kommen wird dies erfasst und entsprechende Maßnahmen können getroffen werden. Bei der Beurteilung, welche Maßnahmen notwendig sind, sind Faktoren wie das Wetter (Windrichtung, Regenwahrscheinlichkeit) und die Intensität des Vorfalls wichtig. Die aktuellen Messwerte des österreichischen Strahlenfrühwarnsystems findet an auch online unter: Strahlenschutz.gv.at

Behördliche Maßnahmen

Die Behörden bewerten das Ereignis und legen Schutz-Maßnahmen fest. Einige davon können das Aufhalten in Gebäuden, die Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten oder landwirtschaftliche Maßnahmen sein. Die Maßnahmen sind abhängig von Art und Ausmaß des Unfalls und können regional unterschiedlich sein. Über den Rundfunk wird die Bevölkerung laufend informiert. Die Evakuierung der Bevölkerung wird in Österreich allerdings nicht erforderlich sein!

Nehmen Sie Kaliumiodid-Tabletten ausschließlich nur dann ein, wenn die Behörde dazu auffordert! Die Einnahme wird nur unter gewissen Bedingungen, für bestimmte Personengruppen und zu einem dezidierten Zeitpunkt empfohlen, sonst wirken die Tabletten nicht, oder führen zu Nebenwirkungen.

Persönliche Schutzmaßnahmen

Schutzmaßnahmen sorgen dafür, dass weniger radioaktiven Teilchen auf und in Ihren Körper kommen und Sie weniger Strahlung von außen ausgesetzt sind. Damit reduzieren Sie die Wahrscheinlichkeit von langfristigen gesundheitlichen Schäden, wie etwa Krebs. Folgen Sie dafür laufend den Anweisungen der Behörden!  Bleiben Sie vor und während des Durchzugs von radioaktiven Luftmassen in Innenräumen. Schließen Sie Fenster und Türen, schalten Sie Lüftungen ab und halten Sie sich von Fensterflächen fern. Wenn Sie doch ins Freie müssen, schützen Sie unbedingt Ihre Atemwege mit einer FFP-Maske und tragen Sie leicht zu reinigende Kleidung. Ziehen Sie Schuhe und Oberbekleidung aus, bevor Sie in Innenräume gehen und waschen Sie besonders Hände, Haare und Gesicht. Waschen Sie auch Ihre Haustiere nach einem Aufenthalt im Freien.  Nach dem Durchzug der radioaktiven Luftmassen, halten Sie sich weiter an behördlichen Empfehlungen. Bei der Reinigung Ihres Zuhauses, vermeiden Sie Staubaufwirbelung und schützen Sie weiterhin Ihre Atemwege.

Kaliumiodid-Tabletten

🚨 Bei Kaliumiodid-Tabletten gilt generell: Eine Einnahme darf ausschließlich nach Aufforderung der Behörden erfolgen! Eine vorsorgliche Einnahme ist sinnlos. Das richtige Timing der Einnahme ist entscheidend! Eine falsche Einnahme macht die Tablette wirkungslos oder kann gesundheitliche Schäden anrichten!

Nach schweren Reaktorunfällen zählt Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen zu den größten Gesundheitsrisiken. Die Kaliumiodid-Tablette kann die Schilddrüse schützen. Durch die Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten wird die Schilddrüse so gesättigt, dass kein radioaktives Iod eingelagert wird. Das Risiko für Schilddrüsenkrebs sinkt. Empfohlen werden sie bis zum 40. Lebensjahr. Ab dann sinkt das strahenbedingte Risiko für Schilddrüsenkrebs und die Nebenwirkungen durch das Kaliumiodid überwiegen.

Für wen kann die Einnahme von Kaliumiodid-Tabletten durch die Behörde empfohlen werden:

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • Erwachsene bis unter 40 Jahren

Für diese Zielgruppen sind österreichweit ausreichend Lagerbestände vorhanden. Jedes Bundesland hat für den Ernstfall Pläne aufliegen, um an die Zielgruppen Tabletten zu verteilen. Darüber hinaus können in jeder Apotheke Packungen für die eigene Vorsorge gekauft werden. Für Personen unter 18 Jahren sind die Tabletten sogar kostenlos.

Bei Durchzug radioaktiver Luftmassen

Sollten durch einen Unfall radioaktive Luftmassen nach Österreich kommen, so werden alle Schutzmaßnahmen über notfallschutz.gv.at, Radio und TV (ORF) sowie AT-Alert verkündet. Je nach Betroffenheit, werden unterschiedlichste Maßnahmen veranlasst. Die folgenden könnten beispielsweise bei einem Durchzug radioaktiv kontaminierter Luftmassen empfohlen werden:

  • Rufen Sie die offizielle Website der Behörde auf: notfallschutz.gv.at
  • Schalten Sie Fernseher oder Radio ein und informieren Sie sich
  • Bringen Sie alle Gegenstände und Tiere aus dem Freien in Innenräume
  • Begeben Sie sich in Gebäude, bevorzugt mit massivem Mauerwerk
  • Schließen Sie Fenster und Türen
  • Bereiten Sie Kaliumiodid-Tabletten vor – niemals ohne behördliche Empfehlung einnehmen
  • Rufen Sie die offizielle Website der Behörde auf: notfallschutz.gv.at
  • Vermeiden Sie den Aufenthalt im Freien
  • Bleiben Sie drinnen und halten Sie sich nicht unmittelbar vor Fensterflächen auf
  • Schützen Sie im Freien Ihre Atemwege mit einer FFP-Maske
  • Tragen Sie im Freien leicht zu reinigende Kleidung, die Körper und Haare bedeckt
  • Ziehen Sie Schuhe und Oberbekleidung aus, bevor Sie in Innenräume gehen
  • Waschen Sie besonders Hände, Haare und Gesicht. Hier haften radioaktive Teilchen
  • Reinigen Sie Ihre Haustiere nach dem Aufenthalt im Freien
  • Rufen Sie die offizielle Website der Behörde auf: notfallschutz.gv.at
  • Befolgen Sie weiter genannte Selbstschutz-Maßnahmen bei und nach Aufenthalt im Freien
  • Reinigen Sie Ihre Räumlichkeiten und vermeiden Sie Staub-Aufwirbelung
  • Waschen Sie Kleidung, die im Freien getragen wurde
  • Verzichten Sie auf Freilandgemüse und Obst aus betroffenen Gebieten