Barrierefreier Zivilschutz als Fundament einer resilienten Gesellschaft.
Wenn Katastrophen eintreten, zählt jede Minute und jede Person. Doch noch immer wird Inklusion im Katastrophenschutz häufig als Zusatz, als Sonderthema oder als „nice to have“ betrachtet. Dabei ist sie kein Extra, sondern das Fundament einer fairen, widerstandsfähigen Gesellschaft. Wer Vorsorge trifft, muss alle mitdenken – auch und gerade Menschen mit Behinderungen, ältere Personen oder Menschen mit sprachlichen Barrieren.
Inklusion bedeutet, dass niemand in Krisensituationen zurückgelassen wird. Das beginnt lange vor dem Einsatz von Feuerwehr, Rettung, Polizei oder Bundesheer: bei der Planung und der Information. Wenn Sirenen heulen oder Evakuierungen anlaufen, ist es zu spät, um über Barrierefreiheit nachzudenken.
„Unser Verständnis von Barrieren endet meist da, wo wir sie nicht mehr sehen können“, sagt Andreas Hanger, Präsident des Österreichischen Zivilschutzverbandes. „Es reicht nicht, Rampen zu bauen oder Videos in Gebärdensprache zu veröffentlichen. Wir müssen verstehen, dass echte Inklusion eine Frage der Einstellung ist.“
Barrieren gibt es nicht nur in Gebäuden, sondern auch in den Köpfen. Laut einer aktuellen Umfrage des Zivilschutzverbandes, berichten rund 40 Prozent der befragten Menschen mit Behinderungen, dass sie sich in und für Notfallsituationen nicht ausreichend informiert fühlen. Rund 30 Prozent haben das Gefühl nicht ausreichend vorgesorgt zu haben und vor sowie während Krisen und Katastrophen nicht zu wissen, wie sie sich richtig verhalten sollen. Denn Informationsmaterial ist oft nicht in Leichter Sprache verfügbar, Warnungen erreichen Gehörlose zu spät, und Notfallübungen berücksichtigen selten die breite Palette an unterschiedlichen Lebensumständen, die es in der Gesellschaft gibt. Dabei ist gerade im Krisenfall entscheidend, dass Informationen rasch, verständlich und leicht zugänglich sind.
„Inklusion darf nicht erst beginnen, wenn etwas passiert. Sie muss sich selbstverständlich in jedem Aspekt unserer Arbeit wiederfinden“, betont Hanger. „Die Entwicklung unserer zukünftigen Plattform, die eine digitale und individuelle Krisenvorsorge ermöglicht, soll künftig Bürger:innen ein modernes und barrierefreies Werkzeug bieten, das bei der Vorsorge wie im Ernstfall schnelle Informationen und Handlungsempfehlung liefert.“
Der Österreichische Zivilschutzverband arbeitet daher daran, Inklusion als wesentlichen Bestandteil des Katastrophenschutzes zu verankern. Das reicht von barrierefreiem Informationsmaterial über Kooperationen mit Behindertenvertreter:innen bis hin zur Entwicklung der zukünftigen Plattform. Ziel ist, dass alle Menschen – unabhängig von körperlichen, sensorischen oder kognitiven Voraussetzungen – wissen, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen und dafür vorsorgen können.
Inklusiver Katastrophenschutz ist kein technisches, sondern ein gesamtgesellschaftliches Projekt. Er verlangt, dass Einsatzkräfte, Bevölkerung und Verwaltung gemeinsam Verantwortung übernehmen. Dazu gehört es Barrieren sichtbar zu machen, Vorurteile abzubauen und alle Menschen gleichermaßen in die Planung und in Übungen einzubeziehen.
„Denn am Ende geht es um mehr als um Sicherheit. Es geht um Würde, Teilhabe und Vertrauen – Werte, die in Krisenzeiten besonders zählen“, so Andreas Hanger, Präsident des Österreichischen Zivilschutzverbandes.
Inklusion in der Zivilschutzarbeit ist daher kein Extra, sondern Ausdruck einer solidarischen Gesellschaft. Zivilschutz ist nur dann vollständig, wenn er alle berücksichtigt. Sie zeigt, dass niemand übersehen wird, wenn es darauf ankommt. Und sie erinnert uns daran, dass Schutz nur dann vollständig ist, wenn er für alle gilt.
